Ausgehändelt | #HändelExperiment

Wann ist ein Musikvermittlungsprojekt erfolgreich? Man könnte sagen: Wenn es gelungen ist, vielen der Beteiligten starke Impulse für eine andauernde Musikbegeisterung mitzugeben.

Diesen Anspruch hatte wohl auch das Händel-Experiments des MDR. Das sollte in etwa so ablaufen: Schulklassen setzen sich im Musikunterricht mit Georg Friedrich Händel auseinander und können zudem am Kompositionswettbewerb zu den Themen “Rondo” und “Wasser” teilnehmen. Unterstützt und flankiert wird das Ganze durch Unterrichtsmaterial, eine Arrangier-Software samt Video-Tutorials und verschiedene Einzelaktionen in Kooperation mit anderen Rundfunkanstalten.

Ganze 266 Kompositionen wurden laut MDR von Schulklassen und Einzelpersonen eingereicht. Die sieben Prämierten konnten sich über eine Aufführung ihrer Kompositionen durch das MDR-Sinfonieorchester beim großen Finalkonzert in Halle freuen, das auf allen dritten ARD-Programmen, im Radio und als Livestream übertragen wurde und in der Mediathek nachgeschaut werden kann.

Dieses Finale war natürlich das Aushängeschild des Projekts (auch, wenn eine googlebare Resonanz doch kaum vorhanden war). Und wie manch ähnliche Großveranstaltung wirkte auch das Finale des Händel-Experiments oft ein wenig steif und behäbig in seiner Abfolge von Musik, Moderation, Einspielern und prominenten Grußbotschaften. Es gab vereinzelte unglücklich ausgewählte Schülerstimmen (“Joa, es war ganz lustig”) und vereinzelte unglückliche Formulierungen der Moderatorin Mareile Höppner („Und hier ist er, das Tischfeuerwerk der guten Laune aus Youtube, Marti Fischer!“). Und auch wenn es an sich völlig legitim ist, über bekannte Aushängeschilder zur genaueren Beschäftigung mit einem Künstler einzuladen, hatte das Konzert schon einen gewissen “Halleluja”- und “Zadok the Priest”/”UEFA-Hymne”-Überschuss. (Aber vielleicht kritisiere ich das auch nur, weil ich schon lange weder das “Halleluja” aus Händels Messiah noch die Krönungshymne Zadok unvoreingenommen hören kann.)

Es wäre allerdings ziemlich unfair, ein so groß angelegtes Projekt allein nach seinem Finale zu beurteilen. Immerhin war das nur die Spitze des Eisbergs. Die Gewinnerklassen hatten zwar das zusätzliche Privileg, ihre Kompositionen vom großen Orchester gespielt hören zu dürfen. Das motiviert vielleicht manche der Beteiligten, weiter musikalisch aktiv zu sein, weil somit das eigene Schaffen gewürdigt wird.

Doch der größte Teil des Projekts fand in den Klassenzimmern und somit nichtöffentlich statt. Die große Zahl der eingesandten Kompositionen zeigt immerhin, dass sich hunderte Schulklassen mit Händel beschäftigt haben und selbst kompositorisch aktiv wurden. (Ob dies allerdings über den Effekt des sonstigen Musikunterrichts hinausging und somit die Ausmaße des Projekts rechtfertigt, ist wiederum eine andere Frage.)

Und allein die Anregung zur eigenen Komposition ist sicherlich ein nicht zu unterschätzendes, wertvolles Verdienst des Projekts. Ob dabei Funken übergesprungen sind oder anhaltende Begeisterung vermittelt werden konnte? Mit ein bisschen Optimismus ist das zumindest teilweise wahrscheinlich. Hoffen wir also das Beste!

Sebastian Herold

Studiert Musikwissenschaft (M.A.) in Mainz. Würde nur promovieren, um seine Mitmenschen dann stets mit gönnerhafter Miene aufzufordern, sie mögen "den Doktor doch weglassen".

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