Das Leben ist kein Wunschkonzert | #playhARD

Juana, Laura und meine Wenigkeit berichten live und in Farbe aus München, wo der 66. Internationale Musikwettbewerb der ARD an diesem Wochenende auf die Zielgerade einbiegt. Hier und jetzt entscheidet sich, wessen Solo-Karriere einen satten Boost bekommt. Wir versuchen, nicht nur kritisch hinzuhören, sondern auch ein paar Zwischentöne für euch einzufangen. Aber der Reihe nach: Was genau geht hier eigentlich ab?

Die Spielregeln

Der Wettbewerb findet zwar jedes Jahr statt, allerdings wechseln die ausgeschriebenen Kategorien der Soloinstrumente: alle gängigen Orchesterinstrumente (die Tuba gehört wohl nicht dazu …) sowie Gitarre, Orgel, Streichquartett, Bläserquintett, Klavierduo und -trio. Aus hunderten Audio-Bewerbungen wurden in diesem Jahr in den vier Kategorien Violine, Klavier, Gitarre und Oboe jeweils gut drei Dutzend eingeladen.

Die Startplätze sind begehrt, denn der ARD Musikwettbewerb ist einer der wichtigsten seiner Art; besonders bei Instrumenten abseits des Mainstream-Triumvirats (Geige, Cello, Klavier) hat er mangels Alternativen große Bedeutung. Eine Erstplatzierung verheißt 10.000 Euro (Umrechnungskurs: 3.333 Döner). Das ergibt übrigens einen Übe-Stundenlohn von 1,00 Euro.

Aber viel wichtiger ist, dass man damit in den Fokus von Agenturen, Sinfonieorchestern und Konzerthäusern gerät und Einladungen erhält: der Eintritt ins Solomuggen-Karussell.

Spiel‘ mir das Lied vom …

Wer einen der drei Finalplätze ergattert, hat innerhalb einer Woche zwei Vorrunden und das Semifinale der besten Sechs hinter sich gebracht – und dabei die Jury mit der eigenen Auswahl aus einer langen Liste an Wahlpflichtstücken und vorgegebenen Werken (etwa die Auftragskomposition und Meilensteine der jeweiligen Instrumentenliteratur) überzeugt.

Aus Publikumssicht eignet sich so ein Modus also bestens dazu, einen guten Überblick über das Repertoire eines bestimmten Instruments zu erhalten – und das auch noch zeitlich kompakt.
Aus Sicht der Teilnehmenden ist dies (und die vorangegangenen Monate intensivster Vorbereitung in sozialer Isolation) eine Achterbahnfahrt durch Gefühlswelten und Musikgeschichte.

In diesem Sinne: meinen größten Respekt vor allen, die sich dieser Konkurrenzsituation stellen, alleine auf einer Bühne, ein Profiorchester im Rücken, ein kritisches Publikum vor sich und in dessen Mitte die über-aufmerksame, alles entscheidende Jury.
Hut ab!

Philipp Krechlak

Intelligent, charmant, gut aussehend, sportlich, aber vor allem eins: bescheiden. Exilschwabe, zunächst im Saarland, jetzt in der (Kur)pfalz. War naiv genug zu glauben, dass mit dem Ende des Studiums (Wirtschaftsmathe in UL, Musikmanagement in SB) und dem Arbeitsalltag (Orchestermanagement in LU, jetzt MA) der Ernst des Lebens beginnt.

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