Der große funktionsharmonische Parteiencheck 2016 – Teil 1

Die deutsche Parteienlandschaft zerclustert zunehmend in komplexe und dissonante Akkorde. Die Volksparteien diminuieren und die radikaleren Kräfte crescendieren. Es wird immer schwieriger, inhaltlich den Überblick zu bewahren – zumindest ohne tiefgreifende Analyse.

musik-mitallemundvielscharf.de möchte etwas Licht ins Dunkel bringen und legt nun eine umfassende Parteitur vor. Was steckt musikalisch in den Parteien? Was sagt ihr Name/Kürzel – zum Klingen gebracht – über ihre Politik, ihre Geschichte, sowie ihre derzeitige Situation aus? Eine genaue funktionsharmonische DNA-Untersuchung der wichtigsten Parteien Deutschlands bringt Erstaunliches zu Tage:

AfD (Alternative für Deutschland)

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Das wohl eindeutigste musikalische Merkmal der AfD ist der ihr zugrunde liegende D-Moll-Dreiklang a-f-d bzw. d-f-a. Dieses harmonische Geschlecht erzeugt bei den Hörenden tiefe Traurigkeit – eine emotionale Reaktion, welche die AfD auch bei der Mehrheit der Deutschen evoziert. Betrachtet man die AfD in harmonischer Grundstellung, ist der Dreiklang abwärts gerichtet – wohl eine bewusst gewählte Symbolik für den durch sie bedingten Niedergang von Toleranz und sozialer Gerechtigkeit.

Der D-Moll-Akkord bewegt sich im ständigen Grenzbereich. Ein kleiner, ideologischerweise abwärts (s.o.) gerichteter Halbtonschritt der Quinte a genügt und der Dreiklang schlägt um in einen D-Vermindert (as-f-d). Einige Mitglieder der AfD (genau wie so mancher ZDF-Reporter – herrlicher Doppel-Fail!) weisen bereits erste Symptome einer solchen Verminderung auf. Ist dies mehrheitlich der Fall, wäre eine Namenskorrektur zu AsfD vorzunehmen. Das dann nicht mehr passende Wort „Alternative“ könnte beispielsweise – der propagierten Flüchtlingspolitik angepasst – in „Asoziale“ umgeändert werden.

Unter einem anderen Blickwinkel erscheint die Tonreihung a-f-d als Basston-Fortschreitung. Dies ist eine eindeutige Sequenzierung der Haupt-Bassline von Adeles Bond-Song „Skyfall“. Mit dieser musikalischen Anspielung betreibt die AfD Vergangenheitsbewältigung. Thematisiert wird der dramatische Skyfall des einstigen Partei-Überfliegers Bernd Lucke. Dieser Absturz lässt sich auf einen innerparteilichen Abschuss zurückführen. Der Lügenpresse nach wurde Prof. Lucke für ein trotziges Flüchtlingskind gehalten, woraufhin Frauke Petry verständlicherweise das Feuer eröffnete.

Anmerkung:

Ich möchte mich klar von allen AfD-Hatern distanzieren. In meinen Ergebnislisten der letzten Landtags-Wahl-O-Maten stand die AfD sogar immer sehr weit oben:

Wahl-O-Mat

SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands)

Bei der SPD ist die musikalische Interpretation des Kürzels schon etwas schwieriger. Auffallend ist natürlich die vorangestellte dynamische Anweisung „SP“ – subito piano (sofort leise). Es ist keine Kunst, darin Parallelen zur aktuellen Situation der SPD zu finden: Als Junior-Partner der Union verhält sie sich oft viel zu schnell viel zu leise. Übrig bleibt nur noch ein subtiles Andicken des demokratischen Gesamtklangs in Deutschland (D).

Orchestral gesagt: Die SPD legt leise Streicher-Backings, während die Kanzlerin fett das Horn bläst (die optische Ähnlichkeit zum Hornisten hat auch mich überrascht) und den ganzen Ruhm einsackt. Ein gleichberechtigter Kontrapunkt wäre manchmal deutlich interessanter.

Bei der tonalen Analyse der SPD kommt mir meine dreijährige Studienzeit in der Frankenmetropole Nürnberg zugute. Fränkisch artikuliert wird aus S-P-D ganz schnell es-b-d. Damit kann ich arbeiten, denn diese drei Töne sind Teil gängiger Jazz-Akkorde (Emaj7, Emmaj7, Cm9 etc.). Bezogen auf den naheliegendsten Grundton es gibt es nur ein Problem: Es fehlt die Terz (g oder ges).

Akkordgeschlecht (Dur oder Moll), Spannungsreichtum, Konsistenz … nichts ist wirklich aussagekräftig ohne die charakterisierende Terz. Die Zeit in der Großen Koalition hat die SPD also nicht nur einige Dynamikstufen in Form von Prozentpunkten, sondern auch ihren inhaltlichen Charakter gekostet. Für was die alte Arbeiterpartei momentan steht, weiß keiner so recht. Als Tonika taugt sie so jedenfalls nicht. Woran es fehlt, sind mutige Spieler (z.B. g-erhard S.), die sich trauen, beim Solo auch mal die Terz zu spielen. Selbst dann, wenn’s mollig (den obligatorischen Sigmar-Gabriel-Witz an dieser Stelle schenk ich mir…Verdammt!!) wird.

CDU (Christlich Demokratische Union Deutschlands)/ CSU (Christlich-Soziale Union in Bayern)

Konservativ, weiß (natürlich nur bzgl. der Klaviatur) und spielerisch meistens nicht allzu anspruchsvoll – das ist die vom Kürzel implizierte Grundtonart der Christlich Demokratischen Union Deutschlands: C-DU®. Entsprechend ist ihre Politik.

Wirkliche Spannung kommt erst auf, wenn man die kleine, nervige Schwester CSU mit einbezieht. Beim Grundton c sind sie sich ja einig, aber was soll denn das es (S)? Die bayerische Schwester-Partei kann einfach nicht anders als dem schlichten, weißen C-Dur der CDU die reizende Blue-Note es hinzuzufügen. Dieser Ton kann ja harmonisch durchaus bereichernd sein, wirkt allerdings aufgrund der zumeist tölpelhaften und polemischen Spielweise der CSU-Politiker eher störend. Aber egal. Hauptsache: Weiß-Blue.

Ich denke, damit sind das c und das es der CSU schon treffend analysiert. Eine tiefere harmonische Bedeutung traue ich den Partei-Intellektuellen um Dr. Scheuer eh nicht zu. Interessant wird es allerdings nochmal, wenn man das U einer musikalischen Analyse unterzieht. Dabei handelt es sich um ein Phrasierungszeichen. Genauer: um ein Bending-Symbol, d.h. ein gehaltener Ton wird erst fallen gelassen und dann wieder zur Ausgangstonhöhe zurück gebracht. Auf diese Weise symbolisiert die CSU ihren großen Vorsitzenden Horst Seehofer. Seine Meinung (Stichwort: neuer Konzertsaal in München) entwickelt sich meistens ähnlich geradlinig, wie ein schönes Bending. Jaaaa, das klingt nach Horst…

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