Glücksspiel. Farbenspiel. Trauerspiel.

Ach, wie schön

Ich soll also eine Kritik über das neue Helene Fischer Album schreiben. Ich weiß, was von mir erwartet wird: Eine, nur so voll Geifer sprühende, polemische Hasstirade über den Untergang der Deutschen Musikkultur. Sozusagen statt Celine Dion auf der Titanic, Helene Fischer als Eisberg. Haben wir endlich das deutsche Pendant zu Miley Cyrus gefunden? Wenn meine Photoshop-Fertigkeiten doch nur etwas ausgereifter wären (Ja, ich bin jung und mache was mit Medien), könnte ich Helene Fischer auf eine Abrisskugel setzen und daraus einen Perlenohrring an Angela Merkels Ohrläppchen machen.

Ja? Nein, mach ich nicht.

(Quelle: http://www.amazon.de/Farbenspiel-Helene-Fischer/dp/B00ED4BROW)

(Quelle: http://www.amazon.de/Farbenspiel-Helene-Fischer/dp/B00ED4BROW)

Perlenspiel. Glücksspiel. Farbenspiel. Trauerspiel.

Ich könnte die Assoziationskette zu ihrem Album noch unendlich weiterführen. Da die gute Caroline Kebekus dies bei ihrem Auftritt während der Verleihung des Deutschen Comedypreis letzte Woche, jedoch schon bis zum letzten ausgereizt hat, möchte ich doch lieber meinen eigenen Weg des Protestes, eh… der Kritik wählen.

Ich höre mir das Album der heiligen Helene einfach garnicht erst an! Lieber möchte ich an den Dingen festhalten, die für die künstlerische Qualität eines deutschen Schlagersternches – an der Musik kann es einfach nicht liegen – wirklich ausschlaggebend sind:

Image und Aussehen.

In den meisten Artikeln zur frechen Fischer geht es vor allem um ihre ausverkauften Tourneen, den Namen ihrer Grundschule und die Farbe ihrer Helene-Mähne. Letzteres soll wohl beweisen, dass man auch gerne die sehbehinderten Menschen erreichte möchte. Aber Moment, die können die Artikel doch garnicht … ? Egal. Das Produkt zählt! Ein weiteres Thema: Ihre Outfits. Fast nebenbei wird immer wieder betont, dass die hochbegabte Helene verdammt heiß, aber nie zu sexy angezogen, daher kommt. Sie ist das Dirndl der Musikindustrie; Jeder weiß wo man hingucken soll, aber man tut es nicht. Aus Anstand.

Dass da in der Schlagerszene in Wirklichkeit in­zes­tu­öse Zustände herrschen, wird in den gönnerhaften Medien verschwiegen; Andrea Berg letztes, ebenfalls sehr erfolgreiches Studioalbum trägt den Titel Schwerelos. Dass die beiden Mädels quasi die Hipster ihrer Szene sind, beweist das bereits 2011 erschienene Lied Atemlos, Bedingungslos, Schwerelos des Sänger Markus. Der war halt noch real. Wen wundert es da doch eigentlich noch, dass Helene Fischer, mit Florian Silbereisen, dem guten Onkel der Volksmusikszene, liiert ist?

Noch so ein Hipster-Ding: Die Federn. Auf dem Cover von Farbenspiel sieht man die hübsche Helene, mit lasziv-ernstem ‚,Ich will doch nur spielen Blick‘’ à la Annette Louisan. Verschwommen lässt sich ein fesches Federoutfit erkennen. Den verspielten Schriftzug, der den Titel des Albums zeigt, ziert ebenfalls eine bunte Feder. Der Gedanke der mich beim Anblick von bunten Federn und Farbenspiel ereilte: Das bezaubernde Farbenspiel des Winds, das Pocahontas im gleichnamigen Disney-Klassiker singt. Ein Film, der mich seit frühen Kindheitstagen prägte. Diese unwillkürliche Assoziation erzeugt in mir das Gefühl, als habe mir die Fischer höchst persönlich, zu tief in den Dirndl-Ausschnitt geschaut. Höchst unangenehm.

Wirklich unpassend erscheint mir auch das ungleiche Verhältnis zwischen dem musikalischen Gehalt und dem unfassbaren Erfolg von der heißen Helene. Dass sie gut singt und einen mit ihrer ekelhaft guten Laune tatsächlich ansteckt (bevor diese, Sekunden später, in Abneigung umschlägt, sobald einem bewusst wird, welcher Gehirnwäsche man da gerade unterzogen wurde) darf ja wohl nicht als künstlerisch wertvoll beurteilt werden. Ich bin mir sicher, dass sich Adorno, der erste Kritiker der Kulturindustrie, jedes mal im Grab umdreht, wenn die hohle Helene einen Preis wie den Echo bekommt, dessen Vergabe aufgrund von völlig veralteten Kriterien wie ,,Verkaufszahlen’’ erfolgt! Das Schlimmste: Die falsche Fischer kann man dafür nicht einmal wirklich verantwortlich machen. Schließlich gibt es ja hier in Deutschland tatsächlich genug Leute, die ihre Konzertkarten und Alben kaufen. Freie Marktwirtschaft, Angebot und Nachfrage … Ach verdammt, ich muss das jetzt doch mal versuchen mit diesem Photoshop.

Marie Petters

Was Marie in ihrer Freizeit macht, welche Musik sie am liebsten hört und warum sie Nutella nicht mag ist unwichtig und wird hier deshalb ausgespart. Solltet ihr dennoch Fragen haben, könnt ihr ja eine von diesen neumodischen Mails schreiben.

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1 Antwort

  1. Huflaikhan sagt:

    Sehr perfekt geschrieben. Ich würde sagen. Getroffen.

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