Eine Homepage-Rezension | #HändelExperiment

Dem #händelexperiment werden wir in den kommenden Wochen mehrere Beiträge widmen. Zum einen um Formen von Rezensions- und Textformen auszuprobieren, zum anderen um zur Abwechslung ein Projekt über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Wir sind selbst gespannt, was am Ende dabei herauskommt. Es bestehen keine Kooperation oder Absprachen. 

Es ist wohl mehr ein Sammlerstück als ein Kassenschlager des Internets. Denn wenn man nicht explizit danach sucht, stößt man nur durch Zufall auf die Seiten des Händel-Experiments; was noch übertrieben ist. Man sucht es entweder gezielt über eine Suchmaschine oder muss auf der MDR-Seite, der diese Seite untergeordnet ist, in der Suchleiste mit korrekten Leerzeichen und Bindestrichen tippen, um es zu finden. Man könnte meinen, das Projekt sei keine Herzensangelegenheit des MDR.

Das Händel-Experiment wird im Schuljahr 2017/18 vom MDR veranstaltet. Es ist das vierte Projekt der ARD zur Vermittlung von “klassischer” Musik an Schülerinnen und Schüler, jedes Mal in der Hand einer anderen Landesrundfunkanstalt, immer in Kooperation mit weiteren Anstalten. In den letzten drei Jahren ging es um Antonín Dvořák, George Gershwin und Antonio Vivaldi. Dieses Jahr nun Georg Friedrich Händel.

Und wenn man dann tatsächlich auf www.mdr.de/haendelexperiment landet, ist der erste Eindruck, dass es ein schweres und opulentes Stück Internet ist: große, aussagekräftige Bilder, unüberschaubar viele Möglichkeiten an Links, Wegen und Verweisen und Grußworte von zehn Kultus- bzw. Bildungsministern auf der Startseite. Darunter schließlich noch Logos von bedeutenden Unterstützern wie dem Deutschen Musikrat oder dem Bundesverband Musikunterricht.

„Wo ist Händel“

Und je länger man auf der “Händel-Experiment”-2017-Homepage ist, desto mehr fühlt man sich wie in einem Wimmelbild. Man muss sich mühsam selbst den Inhalt erarbeiten und übersieht ständig womöglich wichtige Details. Positiv ausgedrückt: Man kann immer wieder Neues entdecken. Ziel des Händel-Experiments ist es, Schülerinnen und Schüler zum Komponieren anzuregen. Und dafür wird von Unterrichtsmaterial bis zur Kompositionssoftware alles zur Verfügung gestellt. Und für alles ist ein Erklär-Video stets zur Stelle und zur Not auch ein Kontaktformular. Wenn man dann alles durchdrungen hat und sich nach und nach das große, ganze Bild erschließt und und die konzeptuelle Idee des Projekts verinnerlicht, dann geht einem ein Licht auf.

Und weil auch im Öffentlichen Rundfunk angekommen ist, dass Jugendliche kein TV mehr, sondern nur noch YouTube gucken, haben sie Marti Fischer mit eigenen Videos und Live-Workshops dabei. – Ob das wirklich gut ankommt oder einfach nur peinlich ist, kann die Redaktion nicht beurteilen, da sie selbst in einem Alter ist, in dem ‘hip’ und ‘cool’ schon sehr seltsam klingt.

Fazit

Für Musikvermittler*innen, Musiklehrer*innen und Händelinteressierte ein lohnenswertes Stück Internet. Hoffen wir mal, dass es ausreichend Lehrerinnen und Lehrer gibt, die die Geduld zum Homepage durchforsten haben, damit auch viele Schülerinnen und Schüler an dem schönen Projekt teilnehmen können.

Juana Zimmermann

Echauffiert sich am liebsten über netzfreie Zonen, Opern und Chronobiologieverweigerern. Hat Kuwi, Muwi und ein bisschen Mewi, Kowi und Philo in Magister-Studierenden-Manier studiert, obwohl Bologna schon in ihrer Grundschulzeit beschlossene Sache war. Arbeitet nun nebenberuflich als musikalische Bildungsassistentin in Hannover, schreibt, liest und lektoriert ansonsten alles weg, was man ihr vorlegt, und bereitet eine Doktorarbeit in musikwissenschaftlicher Gender Studies vor.

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