Klassisch ausgekontert 4:0 – Die Orchester-Bundesliga

Fußball und klassische Musik…

(Wie) passt das denn zusammen?! Viel mehr als es auf den ersten Blick scheint!
Die Gemeinsamkeiten zeige ich euch in dieser Miniserie. Gespickt sind meine Beiträge mit selten ganz korrekten Fußball-Zitaten, die so oder gar nicht so ähnlich Eingang in den Volksmund gefunden haben.

„Ich habe fertig“

Philipp Krechlak

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TEIL IV

Im Fußball ist es ziemlich einfach: Am Ende der Saison schaut man auf die Tabelle und wer ganz oben steht, war in der vergangenen Saison das beste Team.

Bei Orchestern ist das nicht ganz so. Zwar könnte man etwa die Berliner Philharmoniker mit ihrem weltweit enormen Ruhm als den FC Bayern der Sinfonik bezeichnen – 1,1 Mio. Erfolgsfans bei Facebook, 119.000 Fame-Follower bei Twitter (und damit mit deutlichem Abstand mehr als die auf den Plätzen folgenden Orchester addiert) – aber den Titel „Meister der Herzen“ vergeben Klassik-Fans dann doch wesentlich individueller: Jeder hört „seinen“ Beethoven gerne ein wenig anders interpretiert, jeder wünscht sich eine andere Dosis Barock- oder Neue Musik im Laufe einer Spielzeit.

Man kann daher die Konzertauslastung oder die Abonnenten-Anzahl nicht als Vergleichswert für Qualität heranziehen. Denn wer nur „die meisten Hits aller Zeiten“ spielt, zieht zwar viel Publikum, aber künstlerisch anspruchsvoll oder ausgewogen ist das dann nicht unbedingt.

„Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen kann.“

Berti Vogts

Ein Indiz für die Qualität der einzelnen Orchester ist die Bezahlung der Musiker und Musikerinnen, die – grob gesagt – in vier Stufen abgegrenzt wird: Der Tarifvertrag Kulturorchester (TV-K) D verspricht am wenigsten Bezahlung, der TV-K A deutlich mehr. Daher bewerben sich die sehr guten Musiker eher bei A-Orchestern bzw. andersherum gesagt: Diese haben eine größere und qualitativ höherwertigere Auswahl bei der Besetzung von freien Stellen. Die unterschiedliche Bezahlung bewirkt also ein gewisses Leistungsgefälle – so weit, so Marktwirtschaft.

Allerdings ist Vorsicht angebracht: Die „Vorstellungsgespräche“ sind Solo-Vorspiele. Daher setzen sich eher nervenstarke Einzelspieler durch statt solider, vielleicht teamfähigerer Musiker. Und auch hier gilt wie im Fußball: Elf Weltstars verlieren gegen ein eingespieltes Team!

Daher habe ich in diesem Teil leider nur ein dürftiges Fazit: Musikalische Qualität ist nur bedingt messbar. Nach dem Überprüfen der technischen Faktoren wie Intonation, rhythmische Exaktheit und Zusammenspiel wird es subjektiv. Und im Gegensatz zum Fußball wäre es tatsächlich möglich und schön, 80 Millionen hitzig diskutierende Bundesorchestertrainer zu haben.

Philipp Krechlak

Intelligent, charmant, gut aussehend, sportlich, aber vor allem eins: bescheiden.
Exilschwabe, zunächst im Saarland, jetzt in der (Kur)pfalz.
War naiv genug zu glauben, dass mit dem Ende des Studiums (Wirtschaftsmathe in UL, Musikmanagement in SB) und dem Arbeitsalltag (Orchestermanagement in LU, jetzt MA) der Ernst des Lebens beginnt.

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