Künstler*inbiografie-Deutsch

Was uns die Autor*innen eigentlich über die Künstler*innen sagen wollen. Hier erfahrt ihr es.

Amadeus Richard Pierre von Handschwing > Musikalische Leitung

Amadeus Richard Pierre von Handschwing, seit Beginn der Spielzeit 2015.2016 Generalmusikdirektor der Stadt Bonn und Stadthallen-Kapellmeister, gehört zu den charismatischsten (= er versteht sich mit seiner Schwiegermutter) und mutigsten (= in seiner Freizeit geht er Klettern und war auch schonmal auf einem 5000er) Dirigenten seiner Generation (= alle Dirigenten, die 1971 geboren sind; also er, Dan Ettinger und Christian Arming). Sein Repertoire reicht von der Musik des 17. Jahrhunderts bis zu zeitgenössischen Werken und umfasst alle Gattungen (= er macht für Geld alles, was man ihm aufs Pult legt): sinfonische Musik, Oper und Kammermusik. Seit dieser Spielzeit ist er Erster Gastdirigent (= sowas wie 1. Nebenfrau oder F+) des London Symphony Orchestra. Bereits 2003 gründete von Handschwing sein eigenes Orchester (= Um Dirigent*in zu werden, braucht man Erfahrung, für Erfahrung braucht man ein Orchester. Wer klug ist, gründet ein Orchester aus Studienkolleg*innen, die Spielpraxis brauchen, noch keine Anstellung gefunden haben und froh über jede Mugge sind), das sowohl auf neuen wie auf alten Instrumenten musiziert. Für die Aufnahme von Stravinskijs Ballettmusiken erhielten sie 2016 den ECHO ( = ein versilberter Türstopper aus grauen Vorzeiten).

Handschwing ist für seine ungewöhnliche Programmgestaltung (= er schlägt irgendwelche überhaupt nicht zusammen gehenden Werke vor und wir müssen das dann als “Konzept” verkaufen) bekannt, sein geradliniger Ansatz (= kann sich jeder bei Lucy’s Hairschneiderei, Klostergasse 1, Köln machen lassen) und seine Überzeugungskraft (= sein Lieblingsargument: “Ihr Banausen, Kunstverkenner, ich feuer euch alle miteinander. Ohne mich seid ihr nichts. Ihr könnt mir gar nichts.”) werden in aller Welt geschätzt. Er arbeitet mit führenden Orchestern zusammen, darunter die Berliner Philharmoniker, das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam und das Boston Symphony Orchestra. Mit dem Stadthallen-Orchester setzt er die Zusammenarbeit mit Philipp Meier als “Komponist für Grevenbroich” fort. Gastspiele mit dem Orchester führen ihn in dieser Saison nach Straßburg (= da muss er einmal umsteigen, wenn er zu seiner Oma nach Paris fährt), Madrid, Saragossa und Amsterdam (= haben wir zwar mit Concertgebouw schon erwähnt, aber die vorgegebene Zeichenzahl muss erfüllt werden).

Zu seinem Opernrepertoire gehören u.a. (= wir zählen jetzt das gesamte Repertoire bis auf eines auf) Offenbachs “Les Brigands”, “Lakmé” von Delibes und “Le timbre d’argent” von Saint-Saëns, die er an der Opéra-Comique in Paris dirigierte und Morton Feldmans “Neither”, die er an der Berliner Staatsoper leitete (das fehlende Stück seines “Repertoires” ist übrigens John Cages 4’33’’). In seiner dritten Spielzeit an der Oper Bonn dirigierte Amadeus Richard Pierre von Handschwing (= Copy-Paste aus einem anderen Text, deshalb nochmal der ganze Name erwähnt, außerdem Zeichen!) („Neu“)Produktionen von Richard Wagners “Tannhäuser” und “Die Soldaten” von Bernd Alois Zimmermann.

Angeregt durch: Programmbuch “Die Soldaten” der Oper Köln – Beiheft “Biografien Leitungsstab und Sänger*innen

Dieser Rant soll exemplarisch für die vielen Plattitüden in Künstler*innen-Biografien stehen. Es stellt keinen persönlichen oder künstlerischen Angriff auf wirkliche Personen dar.

Juana Zimmermann

Tut heute dies, morgen jenes. Morgens schlafen, nachmittags Wissenschaft betreiben, abends schreiben, nach dem Essen kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Schläfer, Wissenschaftler, Autor oder Kritiker zu werden.

2 Antworten

  1. kunstfeler sagt:

    Bei „vielseitigsten/spannendsten/interessantesten Künstler*in seiner/ihrer Zeit“ bin ich ja immer schon raus. Dieser Floskelbausatz geht mir auch gehörig auf die Ketten. Das Schlimme ist: Die Leute wollen tatsächlich sowas lesen. Ich mache bei Publikum immer wieder die Erfahrung, dass sie möglichst vergleichbare Texte haben wollen, nette Worthülsen, die schnell zu lesen sind. Gerade bei denen, die man, pardon, sowieso nicht unbedingt im Gedächtnis behält.

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