Musiknazi, der [m]

für Patrick S. (nicht, weil er hiermit beschrieben werden soll, sondern weil er den Anlass für den Text gab)

 

tritt zu jeder Zeit und überall auf. Äußerlich ist er nicht von anderen Nazis, Herren- oder Untermenschen zu unterscheiden. Charakteristisch für M. ist ein festgefahrener Musikgeschmack.

Er teilt die Menschheit in die verschiedenen Musikgenres ein. In seinen Kreisen ist er überaus beliebt, gern geladen und bekannt für sein herausragendes Fachwissen.  Mit Herrenmenschen seiner Art teilt er den Musikgeschmack und eine starke soziale Bindung. Man spielt sich Songausschnitte von Sekundenbruchteillänge des neuesten heißen Scheiß’ vor und der Koitus wird zu Hits längst vergangener Jugendzeiten vollzogen. Regelmäßig gehen sie gemeinsam auf Konzerte oder Genre-KZs sogenannte “Festivals”. Eine besondere Entwicklung davon sind die Metal-/Rockfestivals: ein M.treffen, wo M. jegliche Errungenschaft der Zivilisation aufgibt.

Mit Untermenschen – alle, die einen anderen Musikgeschmack haben – geht er auf Konfrontation. Versuche gemeinsamer Unternehmungen sind auf Grund fehlender gemeinsamer Codes oder fehlender Überschneidung von Lebenseinstellungen oft zum Scheitern verurteilt. Im Alter zwischen 12 und 32 Jahren, wenn M. dazu neigt, sich den Betäubungsmitteln in hohem Maße zuzuwenden und Feiern als Hauptbeschäftigung auszumachen ist, kann man regelmäßig Kämpfe zwischen M.s verschiedener Art beobachten. Doch auch vor körperlicher Gewalt an Untermenschen macht er keinen Halt.

 

[Hier geht’s zu Teil 2 unseres Musiklexikons]

 

Juana Zimmermann

Geisteswissenschaftlerin im höheren Semester und Schwiegermutterliebling, selbst wenn es an Söhnen mangelt. Hasst netzfreie Zone, Menschen, die dafür kein Verständnis haben, Brokkoli, Brokkoli-Liebhaber, Opernbesuche, Operngänger, alles zwischen 6 und 11 Uhr vormittags, Leute, die meckern ... und vor allem Menschen per se. Kam zum Blog, als sie sich über die “Beschissenheit” der mobilen Blogversion beschwerte.

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