Nonnen-Gelaber

Vorsicht, es folgt ein langer Text. Bitte nicht in einem Rutsch lesen, sonst bekommt ihr noch viereckige Augen (Mama knows best):

Spätestens als die Nonnen sich ihrer Kutten entblößen nimmt das Stück an Fahrt auf.
Ich hatte das Gefühl, dass die Sängerinnen selbst nur darauf gewartet hatten, endlich geköpft zu werden, denn erst in der Schlussszene knüppelt mich das Stück mit der ganzen Unmittelbarkeit nieder, die sich in den Blicken der Nonnen, angesichts des sicheren Todes, eingravierte.
Eingeläutet wird das Finale mit der Gefängnisszene, in der ich zum ersten mal in einer Oper das Gefühl hatte, dass da nach oben einfach keine Luft mehr ist. Freunde, die Szene in der Kathrin Presser die Karmelitin singt, ist einfach ein Genuss. Diese Frau hat mich vollkommen verzaubert. Ganz groß. Sie sieht aus wie Diane Krueger und steht mit der Präsenz eines Löwen auf der Bühne (in diesem Fall, in einem Gefängnis), sodass man glaubt die Guillotine müsse an diesem Diamanthalse einfach abblitzen, ganz so wie ich letztens bei der Schwarzhaarigen mit dem kleinen Muttermal zwischen Nase und Oberlippe auf der WG Party von…jetzt drifte ich vom Thema ab. Zurück zum Stück:
Da sitzt man 90min rum und denkt:

Naja naja,die Klavierfassung statt der Orchesterfassung zu benutzen war wohl eher ökonomisch als musikalisch gedacht und das Bühnenbild brüllt einem entgegen: THIS IS SPARTA(nisch)!

Die Orgelmusik dudelt so vor sich hin und das ganze Pantomimenspiel wirkte manchmal etwas grotesk, wenn einer die Tür aufmachen muss, in die die anderen vorher einfach durchgegangen sind. Ausnahme: Guillotinestelle. Da hat man das Gefühl Blut ab zu bekommen (nein, es war nicht die feuchte Aussprache der Sänger): Der Karmelitenchor singt vor der Vollstreckung ein letztes Lied (nein nicht My Way von Sinatara, aber die Szene erinnerte sehr an die Anfangsszene bei Fluch der Karribik 3):

Dann tritt die erste Todgeweihte vor.

Ein anderer macht die typische Quasimodo-ich-zieh-an-der-Glocke-Bewegung und spannt damit pantomimisch das Messer. Darauf hin tritt „Jakob-aus -der-Biss-Reihe“ mit voller Wucht auf den Boden, wobei kurz vorher der Mann hinter mir in sein Taschentuch geschnäuzt hat, wodurch das Fallgeräusch der Guillotine noch realistischer wurde. Ganz großes Kopfkino – auch zum nachspielen ganz einfach: Schnäuzen, auftreten.

Der Kamelitenchor wird dann Stück für Stück, „wegrationalisiert“ ( um es mal wie ein Kulturmanager auszudrücken) bis die Hauptdarstellerin im letzten Moment zur Hinrichtung erscheint. Diese fängt an zu singen, aber völlig überraschend wird sie geköpft, noch ehe ihr Gesang zu Ende ist. Dadurch wird die Oper „Dialogues des Carmelites“, die eine Koproduktion der Hochschule für Musik und des Saarländischen Staatstheaters ist und am 16.10. Premiere feierte, schlagartig in dem Moment beendet, in de

Holger Kurtz

hat auf Anliegen seiner Eltern ("Mach doch besser was solides, Junge") von BWL zu Musikmanagement an der Universität des Saarlandes gewechselt. Dort hat er nach 323 Kaffees seinen Bachelor of Arts bestanden und studiert nun Musik- und Kulturmanagement (M.A.) in München. Mit seinen biblischen 24 Jahren hat er bereits alles erlebt und kennt das Internet noch aus der Zeit, als es noch schwarz-weiss war. Hört leidenschaftlich gerne Blues und ernste Musik. Die nmz wurde auf ihn aufmerksam, als er die nmz auf Twitte verbrannte und brennt selbst für Musikvermittlung. "Journalismus ist meine Kippe, aber Musik mein Nikotin." Peace I'm out.

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