#Podium2016 | The Artist Formerly Living As Prince

Prince ist tot. Wir erfahren das aus den 20-Uhr-Nachrichten von BR Klassik, die deren Liveübertragung des Hörspiels vorangehen und daher per Lautsprecher in den Saal der Esslinger SCALA übertragen werden. Kurzzeitig herrscht aufgeregte Verwirrung im Publikum. Reichen die verbleibenden 2’33 Minuten dazu, um den Schock gemeinsam mit dem Sitznachbarn zu verarbeiten? Schaffe ich es, mein Handy wieder anzuschalten, um als einer der ersten einen #RIP-Tweet abzusetzen? #einzigechteanteilnahme

 

Alle entscheiden sich Gott sei dank dagegen, die Liveübertragung beginnt, nimmt gefangen im Hier und Jetzt, und zwei Stunden später ist der emotionale Abstand bereits groß genug, um halbwegs erwachsen mit der Nachricht umzugehen, denn:

Live und Echtheit schlägt Social-Media-Hype und Echtzeit. Klick um zu Tweeten

Ortswechsel: Ein Der Esslinger Jazzkeller.

Und schon beginnt das zweite Konzert des Abends. Etwas provokant bis reißerisch mit  Confusion betitelt, könnte man es programmatisch als “Playlist mit Genre-Zufallsgenerator allererster Sahne” bezeichnen: Slapstick-Klassik, Bachs d-Moll-Chaconne, Folk-Einflüsse und Klassik-Impro-Hiphop-Electro werden bunt gemischt und gut dosiert in zwei Sets präsentiert. Im zweiten wird das Format mehr und mehr zum Open Stage Jam mit Publikumsbeteiligung, die Besetzungen wechseln wild. Ein gelungener Abendabschluss. Doch dann holt einen die Realität wieder ein, auch und besonders im beschaulichen Esslingen, unter all den Klassikern:

Prince ist tot.

Weit nach Mitternacht wird der letzte Song des Abends nämlich eine spontane und innige (!) Hommage an ihn: Purple Rain. Dieser Song – und vermutlich der ganze Künstler – wird zwar vielleicht nie absolut meinen Geschmack treffen, aber die Performance, die aus dem Moment entstehende Energie, die zutiefst ehrlich gemeinte und offen gezeigte Anteilnahme, die in diesem musikalischen Beitrag liegen… das Publikum – und auch ich – haben keine Chance, werden gefangen genommen, weggetragen, in die Musik hinein gesogen.

Confusion ist zu Ende, Ruhe folgt auf Verwirrung.
Le prince est mort, vive la musique!


©Leo Higi

Philipp Krechlak

Intelligent, charmant, gut aussehend, sportlich, aber vor allem eins: bescheiden. Exilschwabe, zunächst im Saarland, jetzt in der (Kur)pfalz. War naiv genug zu glauben, dass mit dem Ende des Studiums (Wirtschaftsmathe in UL, Musikmanagement in SB) und dem Arbeitsalltag (Orchestermanagement in LU, jetzt MA) der Ernst des Lebens beginnt.

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