Sapere Audi

Eine Konzertkritik in 5 Stilen Klick um zu Tweeten

Erlebniserzählung:

Um 18 Uhr war es soweit. Ich verließ mein Zimmer und trat vor die Tür. Der dicke, rote Audi auf der anderen Straßenseite fiel natürlich direkt auf. Ich klopfte zaghaft am Fester der Beifahrertür und fragte nach, ob er mich denn zum Konzert fahren würde. Natürlich war er es, Audi veranstaltete ja das Konzert, zu dem ich eingeladen wurde. Der stille, sympathische Chauffeur verlor kein Wort über den ominösen Konzertort. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nämlich noch nicht, wo das Konzert stattfinden würde. Einziger Hinweis: „Ein ganz besonderer Ort“. Marketingblabla, das man selbst zu Veranstaltungen in Mehrzweckhallen liest. Ich vermutete eine leerstehende Industriehalle. Damit liegt man ja in 99%der Fälle richtig.

Es ist natürlich klar, wenn ein Autohersteller eine Veranstaltung organisiert, dass auch Werbung für die Marke und für das Auto gemacht wird. Während der fast einstündigen Hinfahrt, die von einer roten Ampel in den nächsten kleinen Stau führte, merkte ich jedoch, wie der Wert meiner Monatskarte spürbar anstieg.

Diese Blase platzte prompt, als wir im Grunewald ankamen. Im Laufe des steilen Anstiegs hoch zum Teufelsberg verkrümelte sich der Wert meiner Monatskarte in den bequemen Ledersitzen.

Fashion- und Lifestyle-Blogger:

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Ey Leute, ihr werdet nicht believen was dann happend: Als ich mit meinen schwarzen Lederschuhen vorsichtig aus dem exquisiten AUDI stieg, bekam ich beim Eingang nicht so ein ekliges Festivalbändchen aus Polyester IIIEHEHHH 😱 sondern dieses wunderschöne Echtlederarmband von LIEBESKIND. Leute, sooooo nice! Ich trage es jeden Tag, ihr solltet euch auch ein Armband von denen besorgen, voll cool! 👍🏾🎉😍.

Schreibt mir in die Kommentare, was ihr davon haltet. Oder zeigt mir euer Lieblingsarmband!

Pressetext:

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Von der Dunkelheit ins (L)ICH(T)

Berlin. Grunewald. Tauchen Sie ein in die Dunkelheit und lassen Sie sich vom Licht (ent)führen. Kunstvoll stilisierte Röhrenfernseher lassen erahnen, was am Ende des Weges auf Sie wartet. Die weltweit gefeierten Künstler CHILLY GONZALES und BOYZE NOISE flimmern Ihnen bereits auf dem Weg zum Konzert die ersten Eindrücke entgegen.

Genießen Sie auf der nächsthöheren Ebene frisch gekochtes Slow-Food und handverlesenen Wein, der sie beim weiten Blick über Berlin und tiefgründigen Gedanken begleitet. Lernen sie spannende Persönlichkeiten beim Small-Talk kennen und schließen Sie wichtige Kontakte in der Berliner Musikszene.

Schließlich wartet der fulminante Höhepunkt des Abends: Erklimmen Sie eine weitere Ebene und lassen Sie sich in der einzigartigen Lichtinstallation von Chris Moylan nieder. Das einmalige Konzertkonzept von Brendan Shelper wird Sie begeistern.

 

 

 

Feuilleton:

Der „Rockstar“ unter den Pianisten, Chilly Gonzales, ist bekannt dafür, in keine Schublade zu passen. In seinem neuesten Projekt „Octave Minds“, zusammen mit Boys Noize (ein DJ) und dem Kaiser Quartett aus Hamburg, schuf er eine Klangwelt, deren Wurzeln in der Minimal Music zu finden sind und die mit den elektronischen Klängen zu einer Max Richter’schen Architektur des langsamen Aufbaus hin zum vulkanartigen Ausbruch verschmilzt.

 © Ralf Rühmeier für AUDI AG.

© Ralf Rühmeier für AUDI AG.

 

Eine klangliche Vergewaltigung stellte die Mikrofonierung des Flügels und der Chordophone des Kaiser Quartetts dar. Dem Heilsversprechen des technischen Fortschritts, nach dem E-Pianos wie Konzertflügel klingen können, wurde eine kontrastierende Ästhetik entgegen gestellt: Ein Flügel, der nach E-Piano klingt. Mit viel Hall.

Man hatte zeitweise den Eindruck, dass einer der Hamburger des Kaiser Quartetts einen Reißverschluss spielte, Hut ab vor solch einer Klangbreite. Doch die Musikgeschichte zeigt uns: Ästhetisches Empfinden ist in stetem Wandel. So auch heute. Durch die „Elektrifizierung“ der analogen Instrumente fügte sich der Klang wunderbar in die Klangwelt von Boyze Noise ein. Ähnlich wie das Horn in einem Sinfonieorchester den Vermittler zwischen Holz-und Blechblasinstrumenten darstellt, agierte die Mikrofonierung als Charon, der die analogen Instrumente über den Fluss in ein anderes Reich passieren ließ.

Die detaillierte Dramaturgie des Konzertes (von Brendan Shelper) , vor allem die Lichtkunst und eben diese Mikrofonierung, drängen mich dazu – in Anlehnung an das Regietheater – von einem Regiekonzert zu sprechen, denn: Dem musikalischen Werk wurde eine Dramaturgie geschenkt, die die Rezeption der Musik stark beeinflusst.

Frühstücksradio:

Jingle.

»Wir sind zurück, eure..«

»WETTERVICKI«

» …und euer Frühstücksfrank. Vicki, erzähl’ doch mal von dem tollen Konzert, auf dem du gestern warst.«

Jingle.

»Es war meeeega. Als es anfing zu regnen..

Einspieler.

»Nein, der Regen hat nicht gestört, im Gegenteil: Die Leute sprangen mit ihrem Regenschirm in der Hand auf und strömten zur Bühne. Passend zum Regen.

Einspieler.

» …und dann gab’s eine Wasserschlacht?«

»Haha, nein, aber Chilly Gonzales hat sein Klavier verlassen und latschte rappend im Bademantel durch die gröhlende Masse, einfach cool der Typ.«

Jingle.

»Geiler Typ, HASHTAG Läuft bei dem, hahahaha«

Einspieler (Robostimme, die sagt: Hashtag Läuft bei dir)

«Hahaha, ja genau. Jetzt leg’ ich für euch mal einen Song von seinem neuen Album auf. Hier ist IN SILENCE«

Die ganze Show:

Holger Kurtz

hat auf Anliegen seiner Eltern ("Mach doch besser was solides, Junge") von BWL zu Musikmanagement an der Universität des Saarlandes gewechselt. Dort hat er nach 323 Kaffees seinen Bachelor of Arts bestanden und studiert nun Musik- und Kulturmanagement (M.A.) in München. Mit seinen biblischen 24 Jahren hat er bereits alles erlebt und kennt das Internet noch aus der Zeit, als es noch schwarz-weiss war. Hört leidenschaftlich gerne Blues und ernste Musik. Die nmz wurde auf ihn aufmerksam, als er die nmz auf Twitte verbrannte und brennt selbst für Musikvermittlung. "Journalismus ist meine Kippe, aber Musik mein Nikotin." Peace I'm out.

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