Sender-Bewusstsein | #HändelExperiment

Dem #händelexperiment widmen wir einen kleinen Themenschwerpunkt. Für den Fall, dass wir zu viel loben: Es bestehen keine Kooperationen oder Absprachen.

Jugend(&)kultur. Da up-to-date zu bleiben läuft unter lebenslangem Lernen. Und meistens bleibt es doch nur beim hektischen Hinterherrennen. Man wird halt doch auch einfach älter, auch ich…


Nach Dvořák (2014), Gershwin (2015), Vivaldi (2016) ist nun 2017/18 Händel Thema von „Das [KOMPONISTENNAME]-Experiment – Ein ARD-Konzert macht Schule“. 2019 soll pausiert werden für einen Relaunch, bevor 2020 Beethoven Aufhänger für das Musikvermittlungsprojekt der ARD bzw. ihrer Landesrundfunkanstalten sein wird.

Völlig unerwartet! – und garantiert kein Zusammenhang zu dessen 250. Geburtstag. In zwei Jahren also dann als weiteres Puzzleteil für den definitiv kommenden Overkill zur größten Geburtstagsparty deutschlandweit, die ein Toter je spendiert bekommen hat (außer Jesus vielleicht).

Neben den Rundfunkorchestern, -chören und –bigbands und den darum gruppierten Musikvermittlungsteams wurden bei den bisherigen Experimenten immer auch Größen der Jugendkultur eingebunden für die street credibility. Z. B. waren der Youtubestar Marti Fischer (ehemals The Clavinover) oder der Rapper MoTrip junge, coole Gesichter für die einzelnen Projekte. Ein feiner Zug!

Was aber auffällt – bis auf wenige Ausnahmen wie Bayern3 –, ist, dass die Verantwortung, Organisation und das Begeistern für die grundsätzlich tolle(n) Idee(n) in den Sendeanstalten immer bei den Kulturwellen lag und liegt. Wenn ich am Rande von Arbeitstreffen oder Konferenzen Beteiligte aus den Sendeanstalten darauf angesprochen habe, warum denn die öffentlich-rechtlichen Jugendsender (DasDing, UnserDing, MeinDing, RingDingDing, …) beim Thema „Musikvermittlung für J u g e n d l i c h e“ nicht an Bord wären, gab es als Antwort immer nur eine Abwandlung von verwundertem Schulterzucken: „Hier geht es ja um Kultur. Das ist unser Fachgebiet.“ oder „Die haben ja eine ganz andere Zielgruppe.“

Kleine Experimente!“ – ARD

Ich stelle mich mal naiver als ich es eh schon bin: Das verstehe ich nicht.

Da gibt es diese großartige Idee, ein deutschlandweites Musikvermittlungsprojekt auf die Beine zu stellen und dafür die gottseidank breit aufgestellten, regional verfügbaren Ressourcen zusammen zu nutzen und dann wird ein großes Pfund im eigenen Haus, mit dem man bei der anvisierten Zielgruppe hätte punkten können, einfach so „ignoriert“. Oder anders formuliert: Wer, wenn nicht die halbwegs hippen Jugendsender, hätte größere Chancen, Klassik für junge Leute zumindest etwas cool wirken zu lassen bzw. diese anzufixen?

Beziehungsweise andersrum formuliert: Outen sich so die j u n g e n Wellen der ARD nicht selbst als de facto dritte Popwelle im jeweiligen Angebot? Die Grenzen zu kommerziellen Wellen wie bigFM sind fast nicht vorhanden, der Bildungs- und Kulturauftrag wird kaum wahrgenommen. Ich bin kein definitiv kein “… und das von meinem Geld!”-Schreier, aber wenn sich die Kulturwellen tendenziell weiter der Popmusik öffnen (und dadurch einen schleichenden Prozess hin zu dreieinhalb Popsendern pro Rundfunkgebiet hin mitgehen), dann sollte das doch auch andersrum möglich und machbar sein. Besonders bei so einem vielversprechenden Projekt.

Philipp Krechlak

Intelligent, charmant, gut aussehend, sportlich, aber vor allem eins: bescheiden. Exilschwabe, zunächst im Saarland, jetzt in der (Kur)pfalz. War naiv genug zu glauben, dass mit dem Ende des Studiums (Wirtschaftsmathe in UL, Musikmanagement in SB) und dem Arbeitsalltag (Orchestermanagement in LU, jetzt MA) der Ernst des Lebens beginnt.

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1 Antwort

  1. Huflaikhan sagt:

    Stimmt! Ein faszinierender Gedanke!

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