Klassikliebhaber (200), männlich, sucht …

In Vorbereitung auf die neueste #LoremIpsum-Folge, die heute ebenso erscheint, haben wir uns Opernspielpläne 2018/19 angeschaut (danke für die Inspiration an den BadBlog). Nach anfänglicher Freude, dass unter den Premieren so viele Werke der jüngeren Musikgeschichte auftauchen, stockte uns der Atem bei den Sinfoniekonzerten: 0 Komponistinnen, 0 Dirigentinnen, 3 Solistinnen (davon in Hannover 2 Sängerinnen – einerseits ist durch die Stücke vorgegeben, dass es Frauen* sind, andererseits ist Gesang das Instrument, welches Frauen noch am ehesten zugestanden wird). Und schon stand das Sendungsthema, was uns so wichtig wurde, dass es zum Ton auch diesen Text gibt.

Haus
Komponistinnen
Dirigentinnen
Solistinnen (namentlich genannt)
Staatsoper Hannover

0

0

3

Nationaltheater Mannheim

0

0

3

Sinfoniekonzerte der Opernhäuser

Diese Zahlen sind erschreckend und es ist gleichzeitig ernüchternd, wie weit wir im Musikbetrieb sind bzw. eben nicht sind. Wir können verstehen, dass der klassische Abonnent viel Wert auf den Gräfin Marie von Erdődy-Fanboy und einen der Ehemänner von Alma Schindler legt. Oder dass es immer noch weitaus weniger Dirigent*innen als Dirigenten gibt. Aber wie soll Nachwuchs gedeihen, wo keine Vorbilder sind?

Kennt ihr das Archiv Frau und Musik mit Sitz in Frankfurt? Da arbeiten und werkeln ganz tolle Menschen, die euch sicherlich fantastische Werke von Komponistinnen nennen können, die so ein Beethovenkonzert wunderbar ergänzen. Im 20. Jahrhundert ist es dann auch nicht mehr ganz so schwierig, Komponist*innen zu finden, die vielleicht sogar nicht aus Mitteleuropa stammen.

Wir fordern mehr Diversität in Sinfoniekonzerten! Und falls unsere Leser*innen nicht alle Intendant*innen und Chefdramturg*innen sind: Ermittelt mal die Statistik in eurer Stadt. Das würde uns sehr interessieren. Wir ergänzen diese Liste hier. Und falls ihr Abonnent*innen seid, 'droht' euren Häusern, das Abo, das ja schon eure Großtante hatte, zu kündigen, wenn die nächste Saison auch wieder so eine weiße #Pimmelgala wird. Klick um zu Tweeten


Nachtrag

Sehr passend dazu der neueste BadBlog-Artikel von Alexander Strauch: Ab sofort bin ich KomponistIn!

Juana Zimmermann

Tut heute dies, morgen jenes. Morgens schlafen, nachmittags Wissenschaft betreiben, abends schreiben, nach dem Essen kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Schläfer, Wissenschaftler, Autor oder Kritiker zu werden.

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