I ❤️ Silbersee

Fast alle Konzerthäuser, Orchester und Opernhäuser bemühen sich um junge Menschen. Jugendliche und junge Erwachsene sollen für klassische Musik begeistert werden.

Es wird behauptet, klassische Musik sei »cool«:

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Warum eigentlich?

»Das Konzertpublikum stirbt aus«, schallt es an alle Ecken. Das Durchschnittsalter in Konzerten liegt weit über 50, man müsse sich verjüngen, um nicht auszusterben.

Hämisch wird, in Anspielung auf die grauen Haare der alten Besucher, vom »Silbersee« gesprochen, der das Konzert überschwemmt.

Aber wenn ihr meine Meinung hören wollt:

Ich liebe den Silbersee.

Warum?

10 Gedanken:

1. Junge Menschen wechseln ständig die Plattform, über die sie erreichbar sind. Da hat man sich als Veranstalter endlich mal eine Facebook-Seite eingerichtet, schon sind alle bei WhatsApp.

2. Junge Menschen haben kein Geld, und falls doch, geben sie es für Technik-Schnick-Schnack und Drogen aus: Wie soll man ein Konzert von Studentenkarten finanzieren?

3. Da lobe ich mir die Alten: Die wollen gut sitzen, die trinken gerne mal ein überteuertes Gläschen Wein, die kaufen einen Zettel mit Wikipedia-Informationen über das Programm, auch wenn sie das Stück schon 12 Mal gehört haben. Warum? Weil Sie es immer so machen.

4. Sie wissen Qualität zu schätzen, denn sie hören das Stück nicht zum ersten Mal, (aber vielleicht zum letzten Mal), sie wissen, wie Beethoven bei Furtwängler klang und sagen nicht so dumme Sachen wie: »Ja, so ein Orchester klingt schon fett«, nachdem das Konzert vorbei ist.

5. Denn: Sie haben sich vorbereitet! Sie lesen Kritiken im Feuilleton, um ihr Urteilsvermögen zu schärfen, sie kaufen sich für viel Geld CD-Sammlungen, anstatt umsonst auf Youtube über Laptoplautsprecher zu streamen.

6. Sie wissen, was HiFi bedeutet.

7. Sie analysieren jedes Stück auf passende Pianissimo-Stellen, um mal richtig abzuhusten. Ja wenn das nicht Werkanalyse vom Feinsten ist!

8. Sie haben 20 Jahre Erfahrung, wenn es um das lauteste Bonbon-Papier geht.

9. Sie beschweren sich beim Intendanten, wenn dieser die irrwitzige Vorstellung hat, man müsse auch mal etwas Neues probieren. Warum denn? War alles super!

10. Sie kaufen Abos und damit ist das Konzert finanziert, egal ob jemand tatsächlich kommt.

11. Hier könnte ihre Werbung stehen

Also:

Nicht in Jugendprogramme, sondern in die lebensverlängernde Medikamentenforschung investieren.

Holger Kurtz

hat auf Anliegen seiner Eltern ("Mach doch besser was solides, Junge") von BWL zu Musikmanagement an der Universität des Saarlandes gewechselt. Dort hat er nach 323 Kaffees seinen Bachelor of Arts bestanden und studiert nun Musik- und Kulturmanagement (M.A.) in München. Mit seinen biblischen 24 Jahren hat er bereits alles erlebt und kennt das Internet noch aus der Zeit, als es noch schwarz-weiss war. Hört leidenschaftlich gerne Blues und ernste Musik. Die nmz wurde auf ihn aufmerksam, als er die nmz auf Twitte verbrannte und brennt selbst für Musikvermittlung. "Journalismus ist meine Kippe, aber Musik mein Nikotin." Peace I'm out.

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