Was in Köln wirklich geschah

Viele Zeitungen brachten bereits Licht in die wohl dunkelste Stunde Kölns. Die Neue Musikzeitung sammelte die meisten gesicherten Informationen über das Konzert in einem Blogbeitrag. Aber wir wären nicht der glaubwürdigste Investigativblog des Internets, hätten wir nicht – als einzige – die gesamte Wahrheit herausgefunden.

Ein englischsprachiger Augenzeuge berichtete, es sei bereits beim Einlass zu Scherereien gekommen:

»Last Saturday Monday I went with two ladies, one of whom had an arm nearly broken, and the other a foot severely hurt, from the impetuous thronging and crushing of the crowd through the narrow pass at the very entrance«

Nachdem wir ihn aufforderten, endlich mal deutsch zu sprechen, erzählte er uns weiter:

»Das allgemeine laute Plaudern hörte nicht einen Augenblick auf; es hatten auch sogar verschiedene Herren sich mit ihren Stühlen vor die Sitze der Damen so gesetzt, daß sie dem Orchester Cembalo den Rücken zukehrten, um sich mit diesen desto bequemer laut unterhalten zu können.«

Auch der traumatisierte Musiker selbst traute sich erst jetzt, das historische Ausmaß zu schildern:

»Ungefähr 100 Personen sammelten sich theilnehmendst um mich; was sie aber gehört haben, weiß Gott, denn ich hörte selbst nicht viel davon. Ich dachte dabei fleißig an meine 30 Guineen und war so ganz geduldig. Gegen 2 Uhr ging man endlich zum Souper, wo ich mich aber empfahl und in mein Bett eilte.«

Wir hatten das große Glück, den Intendanten der Kölner Philharmonie fragen zu können, ob der Skandal in dieser Art bisher einmalig war und wie man sich das Kölner Publikum normalerweise vorstellen müsste:

»Es ist auch nichts Seltenes, dass jemand die Reste seinen Goutées, welches nicht immer aus Orangenschalen besteht, ohne weiteres auf die Köpfe der Zuschauer ins Parterre wirft oder künstlich in eine Loge abschießt, während andere ihre Röcke und Westen über den dritten Ranglogen aushängen und in Hemdärmeln sitzen bleiben.«

Obwohl wir es mit unseren eigenen Ohren hörten, konnten wir es nicht glauben. Erst, als uns dieses Instagram-Foto mit #MusicHistory Filter zugesandt wurde, schlug ins die Wahrheit eine Schelle ins Gesicht und erlöste uns von unseren Fake-Zweifeln.

Das Skandalkonzert von Köln

(Zitate nach Müller, Sven Oliver: „Das Publikum macht die Musik. Musikleben in Berlin, London und Wien im 19. Jahrhundert“, Göttingen, 2014)

Holger Kurtz

hat auf Anliegen seiner Eltern ("Mach doch besser was solides, Junge") von BWL zu Musikmanagement an der Universität des Saarlandes gewechselt. Dort hat er nach 323 Kaffees seinen Bachelor of Arts bestanden und studiert nun Musik- und Kulturmanagement (M.A.) in München. Mit seinen biblischen 24 Jahren hat er bereits alles erlebt und kennt das Internet noch aus der Zeit, als es noch schwarz-weiss war. Hört leidenschaftlich gerne Blues und ernste Musik. Die nmz wurde auf ihn aufmerksam, als er die nmz auf Twitte verbrannte und brennt selbst für Musikvermittlung. "Journalismus ist meine Kippe, aber Musik mein Nikotin." Peace I'm out.

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