Wieso der neue Twitter-Account der Bayreuther Festspiele ein weiterer Fake-Account ist

Vorsicht, der #BayreuthFake geht in die nächste Runde. Scheinbar haben sich Trittbrettfahrer an unseren Fake-Zug gehängt und tun jetzt so, als seien die Bayreuther Festspiele als @WagnerFestival auf twitter unterwegs und lustig.

Da wir jedoch aus gut unterrichteten Quellen wissen, dass weder Richard Wagner noch die Bayreuther Festspiele auch nur einen Funken Humor haben*, muss es sich erneut um einen Fake-Account handeln. Wir vermuten allerdings, dass es sich dieses Mal um einen Account handelt, der auch offiziell von den Bayreuther Festspielen initiiert und finanziert wird.

Wie kann es dennoch ein Fake-Account sein?

Wieso ist es dann ein Fake-Account, fragen sich jetzt die lesefähigen User dieses Blogs (btw. das sind laut unserer Analytics-Software etwa 36% aller User). Der Begriff „Fake“ bezeichnet per Definition das „Vortäuschen falscher Tatsachen“. Wie im zweiten Abschnitt dieses Textes dargestellt, besteht der Tatbestand der „falschen Tatsache“ aus der Diskrepanz zwischen den todernsten Bayreuther Festspielen und dem humorvollen Content des ersten Tweets. Da zwischen diesen beiden Polen jedoch eine Relation vorgetäuscht wird, ergibt dies den Tatbestand des „Vortäuschens falscher Tatsachen“, oder einfacher: es ist ein Fake.

Falls euch diese Herleitung noch zu vage erscheint, dann vertraut ihr sicher auf Stefan Römer, einen deutschen Autor und Künstler, der mit dem Titel „Künstlerische Strategien des Fake“ womöglich das Standardwerk zum Thema „Kunst und Fake“ zu verantworten hat.

Dieser definiert „Fake“ als „eine mimetische Nachahmung eines anderen Kunstwerks“. Das nachgeahmte Kunstwerk, auf das sich der Fake bezieht, ist unzweifelhaft: @BayreuthFest – der originale und offizielle Fake-Account der Bayreuther Festspiele aus dem Jahr 2015  (und damit laut Walter Benjamins “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” das einzige Werk mit einer besonderen Aura).

Die zweijährige Rezeptionsphase in der Geschichte dieses Kunstwerkes – und damit möchten wir uns nicht selbst loben – ist beispiellos in der Geschichte der Online-Medien, wie eine Befragung unter unabhängigen Autoren dieses Blogs ergab (101% „ja“; -2% „nein“; 12x „keine Stellungnahme“).

Unter Zuhilfenahme des Hashtags „#BayreuthFake“ (siehe Tweet) ziehen die neuen Verwender selbst diese Verbindung zum Original und untermauern so ihren Status als Fake-Account.

Nach @BayreuthFest, dem offiziellen Fake-Account, gibt es nun @WagnerFestival, den gefakten Offiziell-Account.


*Inhalt geschätzt aus Vorurteilen, Ist-Analyse und Hörensagen.

Holger Kurtz

hat auf Anliegen seiner Eltern („Mach doch besser was solides, Junge“) von BWL zu Musikmanagement an der Universität des Saarlandes gewechselt.
Dort hat er nach 323 Kaffees seinen Bachelor of Arts bestanden und studiert nun Musik- und Kulturmanagement (M.A.) in München.

Mit seinen biblischen 24 Jahren hat er bereits alles erlebt und kennt das Internet noch aus der Zeit, als es noch schwarz-weiss war.
Hört leidenschaftlich gerne Blues und ernste Musik. Die nmz wurde auf ihn aufmerksam, als er die nmz auf Twitte verbrannte und brennt selbst für Musikvermittlung. „Journalismus ist meine Kippe, aber Musik mein Nikotin.“ Peace I’m out.

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