Kein Ende in Sicht

Wir alle begegnen tagtäglich (hoffentlich!) neuer Musik. Sei es, weil sie Teil meines Abokonzert-Programms ist, weil sie bei meinem Lieblingsradiosender in der Hot Rotation gespielt wird, weil der Barkeeper meines Vertrauens kurz vor der Sperrstunde “seine” Musik anstöpselt,… und dabei sind dann immer wieder Perlen, positive Überraschungen, Musik, die uns begeistert.

Ich hatte in den letzten Tagen zwei solche persönliche Musikentdeckungserlebnisse mit Aha!-Effekt. Zum einen habe ich dank dem von Holger gestarteten Sammelrausch zu #WTFMusik zum ersten Mal Hekla op. 52 von Jón Leifs gehört.

Grandios episches Orchesterwerk, völlig irre vor allem für die Zeit, zu der es komponiert wurde (1961). Das ballert einem live sicherlich die Ohren weg!

Und außerdem habe ich eine liebevoll zusammengestellte und gestaltete CD mit Songs von Tom Waits geschenkt bekommen (die älteren Semester werden sich noch an Mixtapes erinnern und an die damit verbundene zwischenmenschliche Wertschätzung). Ich kannte Tom Waits bisher nicht richtig, bin nach gefühlt tausendfachem Hören aber total begeistert.  Tolle Musik; eine krude, kantige Mischung irgendwo zwischen Rhythm and Blues, Jazz, Singer-Songwriter und Avantgarde.

Aber ich will heute gar nicht über Musikgeschmack schreiben oder gar streiten; mir geht es um eine andere Gedankenwendung, um eine kleine Feststellung, die ich – so banal oder profan sie klingt – irgendwie doch einmal für festhaltenswert erachte:

Egal, auf wie viele Konzerte und Festivals ich bisher gegangen bin und generell gehe; egal, wie groß meine CD-Sammlung oder meine Musikfestplatte ist, ich kenne nur einen Bruchteil der bisher existenten Musik und in jedem Augenblick entsteht dank kreativer Menschen überall auf der Welt sehr viel Neues.

Es gibt sooo viel ungehörte Musik da draußen.

Musik, die von mir (noch) nicht beachtet wird. Musik, die entdeckt werden will. Musik, die für mich bisher nicht existiert.

Natürlich ist da auch viel Ramsch dabei, sowohl objektiv als auch subjektiv, aber mir geht es hier um die Perlen, die garantiert dabei sein werden. Manchmal fühle ich mich so, als ob ich mit einer Taschenlampe einen barocken Prunksaal ausleuchten will. Ab und an springt mir jemand mit seiner eigenen Funzel zur Hilfe, zeigt mir schöne Stellen, aber insgesamt ist es ein hoffnungsloses Unterfangen. Obwohl ich sehr viel Musik (aller Art) höre und – auch berufsbedingt – weiterhin hören werde: Ich werde niemals „fertig“ damit werden. Ob ich strukturiert vorgehe oder querbeet höre; ob ich mich auf Empfehlungen stütze, chronologisch vorgehe, Genres abklappere oder Alben stichprobenartig an-höre: Mir wird immer etwas entgehen. Die letzte – vielleicht sogar die in meinen Augen schillerndste – Perle werde ich nie finden.

Es gibt kein letztes Outro, kein endgültiges Finale. Ich werde mein ganzes Leben lang auf geile Musik stoßen, stoßen können. Aber auch wenn ich – gierig wie ein Junkie nach dem nächsten Schuss – immer und immer weiter frische geile Musik suche und finde; es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es ein Werk, ein Stück, einen Song gibt außerhalb meines Musik-Horizonts mit noch mehr Kick, Flash oder Gefühlssturm.

Es gibt mehr geile Musik als man entdecken kann. Das ist schade und schön zugleich. Klick um zu Tweeten

Philipp Krechlak

Intelligent, charmant, gut aussehend, sportlich, aber vor allem eins: bescheiden. Exilschwabe, zunächst im Saarland, jetzt in der (Kur)pfalz. War naiv genug zu glauben, dass mit dem Ende des Studiums (Wirtschaftsmathe in UL, Musikmanagement in SB) und dem Arbeitsalltag (Orchestermanagement in LU, jetzt MA) der Ernst des Lebens beginnt.

3 Antworten

  1. Lucilla sagt:

    Dito. Sehr aus der Seele gesprochen. In diesem Sinne echt spannend finde ich was hier in Planung ist: https://www.facebook.com/henryrecommends

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.