Wie tot ist die Neue Musik

Seitdem ich die MusikTexte11Freunde der “Avantgarde”-Szene – lese, starrt mich der schwarze Block auf der allerersten Seite an. Zunächst ging ich optimistisch und jugendlich naiv hoffend davon aus, dass es eine gestalterische Idee ist. Doch bei näherer Betrachtung fiel mir auf, dass hinter fast jedem zweiten Redakteur oder Herausgeber ein Kreuz gedruckt ist und es erinnerte mich an eine Todesanzeige. Das machte mich anfangs sehr betroffen. Ich dachte mir, da haben sie drei des siebenköpfigen Teams auf einmal verloren und dennoch diese Zeitschrift gemacht. Das beeindruckte mich sehr. Denn ich stelle mir eine Redaktion als etwas sehr Enges und Vertrautes vor. (Anm. d. Red.: Dystopie dieses Blogs). Aber mit jeder Ausgabe der MusikTexte wurde es mir befremdlicher, denn irgendwann muss es dann doch auch mal mit der Trauer okay sein. Vielleicht könnte man einen anderen Platz finden, der den Verstorbenen selbst und ihrer Leistung gebührt. Man könnte neue Redakteure aufnehmen, weiter machen, so schwer es auch fallen möge.

Neulich hatte ich endlich die Muße zu ergoogeln, wann diese Menschen wirklich gestorben sind. Reinhard Oehlschlägel: 2014, Ulrich Dibelius: 2008, Peter Niklas Wilson: 2003. 2003?! Damals war Gerhard Schröder Bundeskanzler, ich lernte meine ersten Lateinvokabeln und “Ab in den Süden” war Sommerhit. Nagut, Wilson war echt jung, als er starb, da fällt ein Abschied besonders schwer. Aber Dibelius wurde 84 Jahre alt. Seitdem stiert dieser schwarze Block mich wie eine Todesanzeige an. Wollen mir die MusikTexte subtil mitteilen, dass die Neue Musik elendig verreckt? So wie es mit den Verstorbenen war, wird es nie mehr? Sie sind in der Redaktion nicht zu ersetzen?

Sollte ich es als Symbol verstehen? Als Vorhersehung? Werden diese Plätze in der Redaktion für ewig belegt bleiben? Ist der Fortschritt tot? Neue unwillkommen? Nur noch vier Beerdigungen und dann ist der Laden dicht?

Juana Zimmermann

Geisteswissenschaftlerin im höheren Semester und Schwiegermutterliebling, selbst wenn es an Söhnen mangelt. Hasst netzfreie Zone, Menschen, die dafür kein Verständnis haben, Brokkoli, Brokkoli-Liebhaber, Opernbesuche, Operngänger, alles zwischen 6 und 11 Uhr vormittags, Leute, die meckern ... und vor allem Menschen per se. Kam zum Blog, als sie sich über die “Beschissenheit” der mobilen Blogversion beschwerte.

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2 Antworten

  1. Verana sagt:

    Geht es dir mit deinen gedanklichen Ergüssen („du hast ja Leute die meckern“) eigentlich immer nur um Effekthascherei oder bist du auf Jobsuche? BTW hast du jemals selbst Neue Musik gemacht oder willst du nur intelligent darüber schreiben?

    • Juana Zimmermann sagt:

      Hallo Verana,
      magst du mir erläutern, wieso du mir Effekthascherei unterstellst? Dies hier ist ein kleiner Blog und das Thema eine minikleine Musikszene (wenn nicht gar Subgenre-Szene)- auf dem 80. Geburtstag meiner Oma hätte ich mehr Aufmerksamkeit. Wenn du mir konkrete Punkte nennst, die du kritisierst, dann können wir gerne diskutieren.
      P.S.: Was auch immer das mit diesen Text zu tun hat, ja ich habe schon selbst Neue Musik gemacht (eigentlich sogar kaum was anderes). Und nein das intelligent-darüber-Schreiben überlasse ich anderen. Hier möchte ich nur meine Assoziationen zu dem Impressum der MusikTexte ausdrücken.
      P.P.S.: Danke der Nachfrage. Gerade suche ich keinen Job. Aber wenn dem mal so sein sollte, komme ich gerne auf dich zu.

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